Aimee debütierte als Filmschauspielerin in einem Film des zeitgenössischen Künstlers Matthew Barney, CREMASTER 3, der 2003 im Guggenheim Museum seine US-Premiere feierte. CREMASTER 3 ist „ein erstaunliches Werk der Kreativität“ und wurde von der Zeitung THE GUARDIAN als „erstes wahres Stück Filmkunst im Kontext der Kunst, seit Dali und Bunuel ihr Werk UN CHIEN ANDALOU im Jahre 1929 drehten“ hymnisch gefeiert. Es handele sich um „eine der imaginativsten und brilliantesten Errungenschaften in der Geschichte des Avant-Garde-Kinos.“ Zur Zeit steht sie als „Isis“ vor der Kamera und setzt damit ihre Arbeit mit Barney in dem Film ANCIENT EVENINGS, einer Literaturverfilmung nach dem Roman Frühe Nächte von Norman Mailer, fort. Jedes Kapitel der Chronik über die sieben Stufen der Reise einer Seele vom Tod zur Wiedergeburt wird während des Filmens durch eine einmalige Live-Performance begleitet. Im Oktober 2010 wurde das zweite Kapitel „Khu“ in Detroit performt.
Weltweite Aufmerksamkeit erlangte Aimee jedoch zuerst durch ihre hervorragenden sportlichen Leistungen. Sie kam ohne Wadenbeine zur Welt und so klang ihre medizinische Prognose düster: Sie würde nie laufen können und den Rest ihres Lebens in einem Rollstuhl verbringen müssen. Da man die geringe Chance sah, dass sie sich doch selber würde bewegen können, wurden ihr an ihrem ersten Geburtstag beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Die Entscheidung stellte sich als richtig heraus. Im Alter von zwei Jahren hatte sie gelernt, auf Prothesen zu laufen und verbrachte ihre Kindheit mit den üblichen sportlichen Aktivitäten ihrer Altersgenossen: Schwimmen, Radfahren, Softball, Fußball und Skifahren – immer an der Seite von „gesunden“ Kindern.
Nachdem sie erfolgreich die High School absolviert hatte, wurde Aimee mit zwei anderen Schülern in den USA, für ein Universitätsstipendium des Verteidigungsministeriums ausgewählt. Somit war sie mit 17 Jahren der bisher jüngste Mensch, der „Top-Secret“-Dokumente im Pentagon lesen zu durfte. Dort arbeitete sie als Nachrichtenanalystin während ihrer Sommer-Semesterferien.
Und genau zu dieser Zeit entdeckte sie ihre Leidenschaft für den Sport wieder. Während ihres Studiums an der renommierten School of Foreign Services an der Georgetown Universität richtete sie ihren Blick auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Sie wandte sich an den erfahrenen Trainer Frank Gagliano, einen der besten Leichtathletik-Coaches des Landes. Mit Hilfe von Gagliano wurde sie zur ersten Frau mit Behinderung, die im NCAA antreten konnte – und zwar im nationalen Division I Leichtathletik-Team der Georgetown Universität. Sie erhielt Kohlefaser-Prothesen, deren Design an die Hinterbeine eines Geparden angelehnt waren und stellte damit Weltrekorde über 100 Meter, 200 Meter und im Weitsprung auf. Das kompromisslose Design der Prototyp-Sprintprothesen sorgte für jede Menge Furore.
Nachdem ein Artikel im LIFE MAGAZINE ein Foto von ihr in den Startblöcken von Atlanta zeigte, wurde die Welt auf Aimee aufmerksam. Schnell erschien ein zehnseitiger Bericht in der ersten Ausgabe der SPORTS ILLUSTRATED für Frauen über sie, was ihr eine Vielzahl an Einladungen zu Reden vor internationalen Design-Kongressen einbrachte. Dieser Einblick in die Welt ästhetischer Grundsätze weckte ihr Interesse an der Körperwahrnehmung und der Art, wie die Mode-Werbung die Begriffe von Weiblichkeit und Schönheit beeinflusst. 1999 hatte Aimee auf Einladung eines der bekanntesten Modeschöpfer der Welt, Alexander McQueen, ihr Laufsteg-Debüt in London. Durch ihren Lauf inmitten der Supermodels erhielt Aimees bahnbrechender, triumphaler Turn viel Aufmerksamkeit von den Modemagazinen und beförderte sie schnurstracks auf die Titelblätter von ID, DAZED und CONFUSED. Nachdem sie sich in den wichtigsten Modemagazinen wie VOGUE, HARPER’S BAZAAR, W, GLAMOUR und ELLE einen Namen gemacht hatte, ernannte sie das PEOPLE MAGAZINE zu einem der „50 schönsten Menschen der Welt“.
Sie wurde als einflussreiche Stimme der Zeit zu bei ESQUIRE‘S „Women we love“ genannt, gehörte für das Jane Magazine zu den „10 mutigsten Frauen“, war laut Sports Illustrated eines der „Coolsten Girls im Sport“ und wurde als „Hottest Muse“ in der jährlichen Hot-List des ROLLING STONE gefeiert. Neben ihrer beruflichen Laufbahn ist Aimee Mitglied vieler Vorstände und verbringt einen Großteil ihrer Zeit mit der Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Organisationen, insbesondere der Women’s Sports Foundation (WSF). Aimee war jahrelang als Vize-Präsidentin für J.O.B tätig, einer ehrenamtlichen Organisation für die Arbeitsvermittlung von Personen mit Behinderungen, die 1947 von Eleanor Roosevelt, Orin Lehmann und anderen ins Leben gerufen wurde. Nachdem sie als Beauftragte des WSF tätig war, die von Billie Jean King gegründet wurde, wählte man sie für einen begrenzten Zeitraum von 2007 bis 2009 zur Präsidenten dieser Stiftung. Obwohl noch sehr jung, ist Aimees Einfluss auf die moderne Gesellschaft und ihr Einfluss auf zukünftige Generationen unbestreitbar. Ihr Bildnis wurde bereits in Ausstellungen und Instituten wie dem Smithsonian, dem Metropolitan Museum of Art, der NCAA Hall of Fame, dem Victoria and Albert Museum, der Tate Modern, der Track and Field Hall of Fame und dem Women’s Museum verewigt, womit man sie für ihren Beitrag zum Sport ehren will und in eine Reihe mit den „Greatest American Women of the 20th Century“ stellt.
Zur Zeit lebt sie in New York.